11.05.2001 Bonner General-Anzeiger


Zum Schlafen ziehen sie in den Bunker um

Zwei Forsbacher Familien graben sich ein -
Flughafen bestreitet die von den Bürgern gemessenen Werte


Von Klaus Elsen

Region. "Das ist unser Keller, hier schlafen wir seit einem Jahr. Aber es ist
immer noch zu laut." Ruhig und sachlich beschreibt Hanns Buschmann den
Journalisten und Fernsehteams in seinem improvisierten Schlafzimmer, warum er
und sein Bruder Marcus zu einer in Deutschland bisher wohl einmaligen
Maßnahme gegriffen haben: Die Buschmann-Brüder bauen sich in Forsbach bei
Rösrath einen Lärmschutzbunker für ihre Familien mit zusammen fünf kleinen
Kindern. Hintergrund ist der seit sechs Jahren ständig zunehmende Fluglärm
über Forsbach.

Früher war es ruhig im Ort zwischen Rösrath und Bensberg. Doch dann
wurden die Flugrouten nördlich des Flughafens verlegt, unter anderem um
Bergisch Gladbach vom Lärm zu entlasten. "Der Fluglärm kam quasi über Nacht
zu uns", sagte Jürgen Betzler, Vorsitzender des Bürgervereins "Fluglärm
Forsbach". Helmut Breidenbach, Chef der Lärmschutzgemeinschaft Flughafen
Köln/Bonn, kritisiert, dass 2000 mit 40 200 Nachtflügen in Köln/Bonn der
zweithöchste Wert nach 1997 erreicht wurde. Breidenbach: "Das sind zu
Spitzenzeiten 180 Flugbewegungen pro Nacht. 400 000 Menschen in der Region
leiden unter Fluglärm."

Rund 100 000 Mark lassen sich die Brüder Buschmann ihren unterirdischen
Schlafbunker mit zwei je 35 Quadratmeter großen Räumen kosten. Eigentlich
sollte auf der Wiese zwischen ihren Häusern ein Teich entstehen. Doch als auch
der Umzug zum Schlafen ins Souterrain keine Besserung gebracht habe, wurde
der Teich aus der Planung gestrichen und der Bau des Bunkers in Angriff
genommen. Hanns Buschmann: "Die Kinder waren der Hauptanlass. Sie wachen
jede Nacht auf, wenn die Flieger im Zwei- oder Drei-Minuten-Takt kommen. An
Tiefschlaf ist bei uns schon längst nicht mehr zu denken." Zynismus warf
Buschmann NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement vor, der vom Fluglärm
betroffenen Bürgern geraten hatte, notfalls wegzuziehen. "Als wir hier unsere
Häuser gebaut haben, gab es noch keinen Fluglärm. Das Ganze ist eine einzige
Katastrophe."

Dieser Meinung ist auch Joe Buchholz, Sachverständiger für Schallschutz, der in
Forsbach eine eigene Messstation betreibt. Dort registrierte er zwischen 4 und 6
Uhr morgens bis zu acht Mal Werte von 80 und mehr Dezibel. Buchholz: "Das ist
ungefähr so, als würde ein Auto am Kopfende des Bettes vorbeifahren."

Laut Apotheker Rudolf Karsdorf sind gesundheitliche Schäden programmiert.
"Man muss mit chronischen Schlafstörungen, Depressionen und
psychosomatischen Erkrankungen rechnen." Der Rechtsanwalt Rudolf Heindl
wusste zu berichten, dass mehrere Anwohner gegen neue Flugrouten und
Nachtflugbetrieb geklagt hätten. Wann mit Entscheidungen zu rechnen sei, sei
offen: "Das kann alles ziemlich lange dauern."

"Die in Forsbach gemessenen Werte liegen deutlich unter dem geforderten
Kriterium für passiven Lärmschutz", teilte die Flughafengesellschaft am
Donnerstag mit. Wo sechs Mal in der Nacht 75 Dezibel überschritten werden,
zahlt der Flughafen den Einbau von Lärmschutzfenstern und Raumlüftern. So
werde sichergestellt, dass es im Innern nicht lauter als 55 Dezibel werde.
"Ungestörte Nachtruhe ist damit auch unter medizinischen Aspekten gesichert."
In Forsbach sei es vergangenes Jahr durchschnittlich nur jede zehnte Nacht
einmal lauter als 75 Dezibel gewesen. Der Flughafen bedaure, dass nach dem
Empfinden der Familien Fluglärm der Anlass für das teure Bunker-Projekt
gewesen sei.